Die Herausforderung
Friedrich Joerg gibt es seit 1920. Die originale Gewerbeanmeldung aus diesem Jahr belegt die Gründung. Was das Unternehmen von Beginn an auszeichnete, war eine ausgeprägte technische Neugier: Aufgaben verstehen, Lösungen erproben und Produkte entwickeln, die unter realen Bedingungen funktionieren.
Begonnen hat diese Geschichte mit Porzellan, Klemmen und Schrauben. Wer jedoch seit mehr als hundert Jahren besteht, muss über die ursprüngliche Prägung durch einzelne Werkstoffe und Produkte hinauswachsen. Für Friedrich Joerg bedeutete das, neue Materialien und Verfahren zu beherrschen, ohne die eigentliche Aufgabe aus dem Blick zu verlieren.
Unsere Lösung
Dieser Wandel erfolgte Schritt für Schritt. Auf die Porzellanverarbeitung folgte eine eigene Duroplastpresserei. Verarbeitet wurden unterschiedliche duroplastische Formmassen: zum einen Phenol-Formaldehyd-Harze, häufig dunkel und unter dem Markennamen Bakelit bekannt, zum anderen helle und einfärbbare Aminoplaste auf Basis von Harnstoff und Formaldehyd.
Später folgte der Thermoplast-Spritzguss. Die ersten Anlagen waren noch einfach aufgebaut: Das Material wurde von oben eingefüllt, aufgeschmolzen und mit einem Kolben in Richtung des Werkzeugs gedrückt. Dort gelangte es in die Kavität, den Hohlraum, dessen Kontur die Geometrie des späteren Bauteils abbildet. Die an den Werkzeugtrennungen entstehenden Fransen wogen teilweise mehr als das eigentliche Bauteil.
Mit den Jahren stiegen Präzision, Automatisierungsgrad und Materialvielfalt. Heute fertigt FJ auf modernen Anlagen, unter anderem von Arburg, und verbindet unterschiedliche Werkstoffe und Verfahren zu serienreifen Lösungen.
Auch das Kunststoffspektrum entwickelte sich weiter: von Standardkunststoffen wie ABS über Blends und technische Thermoplaste bis zu Hochleistungsthermoplasten wie PEEK. Abhängig von der Anwendung kommen außerdem funktionale Additive und Verstärkungsstoffe zum Einsatz, um beispielsweise Temperaturbeständigkeit, Festigkeit, Verschleißverhalten, elektrische Eigenschaften oder Brandverhalten gezielt einzustellen.
Das Ergebnis
Der Wert dieser Entwicklung liegt nicht in einem einzelnen Werkstoff oder Verfahren, sondern im Wissen über ihr Zusammenspiel. FJ verbindet Kunststoff, Metall, Schrauben, Werkzeugbau, Zukaufteile und Montage zu vollständigen technischen Lösungen.
Damit wurde früh der Grundstein dafür gelegt, nicht nur einzelne Spritzgussteile herzustellen, sondern Kunden als Entwicklungspartner und Systemlieferant zu begleiten. Heute können so vollständige Baugruppen entwickelt, gefertigt, montiert und serienreif geliefert werden.
Diese Haltung wurde über Generationen weitergetragen. Um 1981 übernahm Thomas Püls das Unternehmen. 2016 folgte der Umzug in das Firmengebäude „Im Gries“. Heute führen Thomas und Tobias Püls das Unternehmen gemeinsam.
„Auf Porzellan und Duroplaste folgten Thermoplaste und Hochleistungsthermoplaste. Entscheidend war jedoch der nächste Schritt: Wir haben Metallfertigung, Werkzeugbau, Zukaufteile und Montage zusammengeführt und damit über Jahrzehnte die Kompetenz aufgebaut, als Entwicklungspartner und Systemlieferant komplette Baugruppen zu realisieren.“



